Richtig streiten? So geht’s!

Richtig streiten in der Partnerschaft

In keiner Partnerschaft herrscht permanent eitel Sonnenschein. Du brauchst also keine Bedenken zu haben, dass ein Streit gleich etwas total Negatives ist.

Freilich entsteht in Gesprächen mit Verwandten, Kolleg:innen und Freund:innen oft der kommunikative Eindruck, dass andere Paare sich nicht in die Haare bekämen. Aber spätestens seit Loriot wissen wir alle, dass dem nicht so ist. Jedenfalls dürfte die Zahl der Menschen, die sich in dem Ehepaar mittleren Alters zumindest punktuell wiederfinden, sehr groß sein.

Ein Streit in einer Beziehung muss kein Drama sein

Merke also: Eine Meinungsverschiedenheit bedeutet nicht gleich das Ende der Beziehung. Sie lässt sich klären. Wichtig ist dabei jedoch, dass Du Dir ganz klar überlegst, aus welchen Gründen Du im Zweifelsfall einen Disput wie hoch kochen lässt. Sehr beliebte Streitthemen (sozusagen die Klassiker) sind:

  • Sauberkeit und Ordnung,
  • die richtige Mischung aus gemeinsamer und individueller Freizeitplanung
  • oder die Frage, wer wofür sein Geld ausgeben möchte.

Je unterschiedlicher die Ansichten beider Partner:innen zu bestimmten Aspekten sind, desto eher ist ein Streit vorprogrammiert. Insbesondere, wenn der / dem anderen nicht klar ist, wie wichtig Dir persönlich eine bestimmte Verhaltens- oder Vorgehensweise ist. Benenne daher klipp und klar, freundlich und offen, warum Du manchen Aspekten so viel Bedeutung beimisst. Und zack, lassen sich einige Probleme bereits im Vorfeld vermeiden.

Legst Du beispielsweise viel Wert auf geputzte Fenster und lässt deutlich durchklingen, dass es Dir eine Freude ist, durch sie hinauszuschauen, könnte Dein Schatz dies durchaus als Wink mit dem Zaunpfahl empfinden und sich ab und an darum kümmern. So herum wäre es doch viel besser als sich immer erst hinterher zu beschweren, oder?

Ebenfalls hilfreich: Frag‘ Deinen Herzensmenschen nach seiner Streitkultur. So weißt Du schon, womit Du im Zweifelsfall zu rechnen hast.

  • Manche Personen sind sehr aufbrausend,
  • andere können sich einfach nicht entschuldigen und
  • wieder andere verzichten zugunsten der Harmonie sogar auf ihr Recht.

Alles hat Vor- und Nachteile und es gibt zu jedem Verhalten einen ungefähr passenden Lösungsvorschlag. Der Hauptknackpunkt ist jedoch immer recht ähnlich: Versuch‘, Deiner Partnerin beziehungsweise Deinem Partner nicht über Gebühr auf den zwischenmenschlichen Schlips zu treten. In einem Streit geht es idealerweise um die Sache und das Verständnis für die Position des Gegenübers.

Was sind Ursachen und Ziele des Streits?

Um einen Streit vergleichsweise konstruktiv beizulegen, stellst Du Dir am besten schon vor dem Disput selbst zwei Fragen. Und das auch nicht erst, wenn die Situation überkocht. Je eher und prinzipieller, desto besser:

  • Was ist überhaupt der Auslöser?
  • Mit welchem Ergebnis möchte ich aus ihm herausgehen?

Prinzipiell lassen sich dabei Missverständnisse und Meinungsverschiedenheiten unterscheiden.

Ein Missverständnis oder einen Irrtum aus der Welt zu schaffen, ist meistens vergleichsweise einfach: Den ersten Ärger dezent herunterschlucken und nachfragen, was eigentlich der Plan war. Dafür braucht es selbstverständlich eine grundsätzliche Offenheit und die Bereitschaft, das Gesagte auch als wahr anzunehmen. Auf diese Weise kannst Du einen eventuell vorhandenen Informationsmangel ausgleichen. Zudem öffnet sich für Dich möglicherweise auch eine neue Perspektive auf den Sachverhalt. Und wenn Du erst einmal merkst, dass es keine böse Absicht war, verraucht der Ärger auch meist recht schnell wieder.

Bei einer Meinungsverschiedenheit dagegen ist der Sachverhalt klar und alle Beteiligten haben ein sehr vergleichbares Hintergrundwissen. Nur in der Frage, wie man damit nun umgeht, herrscht Uneinigkeit. Darüber dann zu streiten, setzt ein gewisses Fingerspitzengefühl voraus. Am besten hältst Du Dich in einem solchen Fall an die Fakten und lässt Dich nicht über Gebühr von Deinen Emotionen leiten. Das ist zugegebenermaßen oft sehr schwierig – Du kannst es jedoch zielgerichtet trainieren. Parallel dazu solltest Du aber weder von Dir noch von Deinem Gegenüber übermenschliche Ruhe und Gelassenheit erwarten. Eine gesunde Mäßigung und eine „Ich-“ statt „Du-Botschaft“ im Sinne von „Das ist mein Lösungsvorschlag“ anstelle von „Du hast ja wieder einmal …“ kann durchaus den Anfang vom Streitende darstellen.

Außerdem bietet es sich an, das Ergebnis des Streits nicht aus den Augen zu verlieren. Was möchtest Du – Deinen persönlichen Willen durchboxen oder eine für alle sinnvolle und nachvollziehbare Verbesserung?

Ein konstruktives Feedback bringt mehr als Kritik

Du willst nicht einfach nur Recht-Haben, um Recht zu haben? Vielmehr geht es Dir darum, dass sich tatsächlich etwas langfristig verbessert? In diesem Fall dürfte der Unterschied zwischen einem konstruktiven Feedback und einer reinen Kritik für Dich interessant sein.

Ein konstruktives Feedback hilft Deinem Gegenüber dabei, sich persönlich weiterzuentwickeln. Es zielt nicht darauf ab, die oder den anderen ‚plattzumachen‘ (ganz salopp formuliert). Vielmehr bietet es die Gelegenheit, manche Aspekte noch einmal gesichtswahrend zu überdenken und eine neue, bessere Lösung zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen also Interesse am anderen Menschen und der Wunsch, dass er persönlich weiterkommt. Kritik dagegen zielt vor allem darauf ab, dass Dich etwas stört und Du es geändert haben willst. Unter Umständen auch ohne Rücksicht darauf, ob es sich dabei um eine echte und objektive Verbesserung der Situation handelt.

Damit dürfte der Knackpunkt am Ganzen auf der Hand liegen: Vielfach kommt es zu kommunikativen Missverständnissen, was überhaupt gemeint ist. Ein ungünstig vorgetragenes Feedback kommt auf der Gegenseite häufig als zwischenmenschlich-vernichtende Kritik an. Das ist nicht immer so gemeint. Dennoch solltest Du auch in einem Streit, der Deine Nerven und Geduld sehr strapaziert, nach Möglichkeit auf Deine Wortwahl achten.

Wie bereits angesprochen, ist es dabei wichtig, nicht mit Allgemeinsätzen und entsprechenden Vorwürfen wie „Immer machst Du …!“ um sich zu werfen. Wertschätzung und die salamitaktik-artige Lösung des Problems sind hierbei Gold wert. Nehmen wir das Beispiel Ordnung: Du wirst niemanden, der darauf keinen gesteigerten Wert legt, von heute auf morgen dazu bringen, jedes Schrankfach in einer 3-Zimmer-Wohnung piccobello aufgeräumt zu halten. Aber vielleicht klappt es ja mit dem Schreibtisch? Oder einem ausgesuchten Schrank?

Apropos Räumlichkeiten: Freilich brauchen auch Gefühle bei einem Streit ihren Raum. Zwing Dich somit lieber nicht zur Ruhe, wenn Du spürst, dass Du sie gerade nicht hast. Es ist keinesfalls verwerflich in so einer Situation für einen Moment den Raum zu verlassen. Ob Du Dich zunächst etwas austobst oder beruhigst, ist selbstverständlich Deine eigene Sache. Und wenn Du dann tief durchgeatmet hast, steht einem klärenden Gespräch nichts mehr im Wege.

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