Wenn der Alkohol die Beziehung beherrscht

Alkoholsucht in der Beziehung

Eine wahre Liebe übersteht alles, sagt ein Sprichwort. Doch selbst die innigste Beziehung gerät an ihre Belastungsgrenze, wenn ein/eine Partner:in dem Alkohol verfällt. Ein solches Szenario bringt unsagbares Leid über eine Partnerschaft und verändert einfach alles. Insbesondere das Vertrauen in den süchtigen Partner oder die süchtige Partner:in, sowie die gemeinsame Partnerschaft wird massiv erschüttert bzw. gar zerstört.

Eine Alkoholabhängigkeit wird von dem/der Lebensgefährt:in häufig erst sehr spät erkannt. Der Alkohol hat bis dahin immer mehr Besitz von dem/der Süchtigen ergriffen und verändert letztendlich sein/ihr gesamtes Wesen. Der/Die Betroffene ordnet nach und nach alles der Sucht unter und verliert andere Dinge im schlimmsten Fall gänzlich aus den Augen. Lebensgefährt:innen leiden ihrerseits oft massiv unter der eigenen Zerrissenheit, ihren Partner:innen im Kampf gegen die Sucht helfen zu wollen und der Frage „Will ich den Rest meines Lebens mit einem/einer Alkoholiker:in verbringen?“

Das böse Erwachen

Meistens entwickelt sich eine Alkoholsucht schleichend. Aus dem normalen Feierabendbier mit den Kolleg:innen, dem gemütlichen Glas Wein mit dem/der Partner:in am Abend oder dem einen oder anderen Getränk auf einer Party, wird Schritt für Schritt der ständige Gedanke an den Alkohol. Die Erkenntnis, dass der/die Partner:in alkoholsüchtig ist, kommt in der Regel überraschend und setzt bei dem/der Lebenspartner:in ein ganzes Gedankenkarussell in Gang. Diese bittere Wahrheit kann sich beispielsweise beim Wäschesortieren einstellen, wenn plötzlich ein heimliches Alkoholdepot des/der Partner:in gefunden wird. Aus einem Versteck werden dann vielleicht noch weitere und man fragt sich, warum stehen Wodkaflaschen in der hintersten Ecke des Kleiderschranks oder im Keller hinter der Werkzeugkiste? Und verdammt noch mal: Warum habe ich nichts von dem Alkoholproblem meines/meiner Partner:in mitbekommen?

Deine Gedanken kreisen und vielleicht erinnerst Du Dich jetzt daran, dass Dir in letzter Zeit häufiger die zitternden Hände Deines/Deiner Partner:in aufgefallen sind. Er/Sie hat dies dann immer mit dem besonderen Stress auf der Arbeit erklärt, Du hast ihm/ihr Entspannungsübungen vorgeschlagen und damit war es auch schon wieder aus Deinem Kopf. Im Nachhinein wird Dir nun klar, dass es, genau wie das starke Schwitzen, Entzugserscheinungen gewesen sind.

Unterschiedliche Geschehnisse kommen Dir jetzt wieder in Erinnerung, wie der Alkoholabsturz Deines/Deiner Partner:in beim Firmenjubiläum vor 2 Monaten, bei dem am Ende sogar noch der Krankenwagen zu Euch nach Hause kommen musste. Aber auch die Tatsache, dass er/sie selbst nach einigen Runden Schnaps noch nicht wirklich alkoholisiert gewirkt hatte, während seine/ihre Freund:innen aus der Clique danach aber schon größere Schwierigkeiten mit der Aussprache und dem Weg zur Toilette hatten.

Alkohol ist eine weit verbreitete Sucht

Ob bei Treffen mit Freund:innen, Geburtstagsfeiern, beim Fußballspiel oder nach der Arbeit, Bier, Wein oder Spirituosen gehören häufig dazu. Der Alkohol lässt die Hemmungen fallen und sorgt für ausgelassene Stimmung. Eine heftige Party endet oft mit einem dicken Kopf am nächsten Morgen.

Statistische Grafik zur Alkoholsucht in Deutschland


Alkohol verhält sich aufgrund seiner leichten Verfügbarkeit und seiner breiten gesellschaftlichen Akzeptanz sprichwörtlich wie der Wolf im Schafspelz. Seine Wirkung wird oft unterschätzt und die Folgen eines regelmäßigen Alkoholkonsums sind gravierend. Nach einer Erhebung der Barmer Krankenkasse waren im Jahr 2020 allein in Deutschland mehr als 1,1 Millionen Menschen alkoholabhängig. Männer waren dabei mit 820.000 Erkrankten stärker betroffen als Frauen, deren Zahl bei 329.000 Erkrankten lag.

Der Alkohol hat ein enorm zerstörerisches Potenzial, sowohl für den Süchtigen oder die Süchtige als auch für seinen/ihre Partner:in. Die Folgen für die oder den Abhängigen können dabei vielschichtig sein. Ein andauernd hoher Alkoholkonsum kann zum Beispiel zu physischen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Nervenschädigungen, Leberzirrhose oder erhöhter Krebsgefahr führen. Außerdem können auch psychische Folgen, wie zum Beispiel Depressionen oder Angststörungen, entstehen. Alkoholismus ist eine ernstzunehmende Krankheit, an der jährlich Tausende Menschen sterben.

Auch die Angehörigen leiden

Seinem/Seiner Partner:in dabei zusehen zu müssen, wie die Sucht von ihm oder ihr immer mehr Besitz ergreift und ein normales Leben nach und nach unmöglich macht, kann einen selbst in ein tiefes Loch stürzen. Dass nicht nur der/die Süchtige, sondern auch Du leidest, ist Dir als betroffene Person zu Beginn vielleicht noch gar nicht so bewusst. Doch wenn der/die Alkoholsüchtige verspricht, mit Dir etwas zu unternehmen und dann am nächsten Tag nicht dazu in der Lage ist, weil er/sie wieder zu betrunken ist, belastet das natürlich auch Dich. Letztendlich weißt Du Dir nicht mehr anders zu helfen. Deine Unternehmungen und Termine, meistens sogar den ganzen Alltag, planst Du so, dass sie trotz der Sucht irgendwie stattfinden können. Dank all Deiner selbstlosen Bemühungen kann der/die Suchtkranke so weitermachen wie zuvor, während die ganze Arbeit an Dir hängen bleibt.

Eigentlich ist Dein/Deine Partner:in herzensgut, verlässlich und fürsorglich. Er/Sie liebt Dich über alles, kümmert sich um Dich und möchte, dass es Dir gut geht. Wie sehr die Alkoholsucht eine Person verändern kann, erfährst Du nun schmerzlich am eigenen Leib. Im alkoholisierten Zustand wird aus Deinem/Deiner geliebten Partner:in, mit dem/der Du sogar den Bund der Ehe eingegangen bist, ein ganz anderer Mensch. Er oder sie ist oft kaum noch ansprechbar, desinteressiert und neigt vielleicht sogar zu aggressivem Verhalten. Und doch klammerst Du Dich immer wieder an die winzige Hoffnung auf Besserung, wenn er/sie nüchtern und für einen kurzen Moment so ist, wie Du es Dir von Deinem Traummann beziehungsweise Deiner Traumfrau wünschst.

Das unsagbare Leid, das Du durch die Alkoholsucht Deines/Deiner Lebensgefährt:in zu ertragen hast, ist nur schwer auszuhalten. Deshalb muss Dir bewusst werden, dass Deine Gefühle und Probleme nicht weniger wichtig sind als die Krankheit Deines/Deiner Partner:in. Wenn diese als Gesprächspartner:innen wegfallen, ist es wichtig und richtig Dir andere Menschen zu suchen, denen Du Dich anvertrauen kannst.

Alkoholkranker Mann wird von seiner Frau zur Rede gestellt

Kann ich einem Alkoholsüchtigen überhaupt helfen?

Immer wieder sprichst Du Deinem/Deiner Partner:in Mut zu. Du stärkst ihm/ihr den Rücken und versuchst eine Umgebung zu schaffen, in der der Alkohol ihn/sie nicht verführen kann. Wenn der Einkauf ansteht, übernimmst Du diese Aufgabe, damit kein Alkohol im Einkaufswagen landet. Seid ihr zusammen unterwegs, dann verzichtest Du auf einen Cocktail und auch bei Euch Zuhause stehen keine Flaschen offen herum. Trotzdem hilfst Du ihm/ihr regelmäßig betrunken ins Bett oder entschuldigst ihn/sie auf der Arbeit. Auch vor Euren Freund:innen verteidigst Du ihn/sie immer wieder. Du fühlst Dich hilflos, weißt nicht mehr wie Du Deinem/Deiner Partner:in noch helfen sollst. Jeder weitere Absturz macht es Dir noch schwerer, an eine Besserung zu glauben. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen. Je tiefer die Sucht den Betroffenen in den Abgrund reißt, umso mehr kommt bei Dir der Gedanke auf, Du müsstest noch mehr tun. Du gibst noch nicht genug, um ihn/sie zu retten.

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Dabei sind es andersherum oft die kleinen Sachen, die Suchtkranke zu schätzen wissen. Und der Rückhalt, den Dein/Deine Partner:in durch Dich erfährt, kann für ihn/sie sehr viel bedeuten. Nur durch Deine Kraft und Dein Bemühen alleine, kann das Kind, in dem Fall der/die Suchtkranke, nicht aus dem Brunnen gezogen werden.

Mach Dich von dem Gedanken frei, dass Du dafür verantwortlich bist, dass Dein Lieblingsmensch trocken bleibt. Zu der Erkenntnis, dass er/sie krank ist und Hilfe braucht, muss er/sie ganz alleine gelangen. Denn nur wenn die Entscheidung gefällt wird, sich helfen zu lassen, kann sich auch wirklich etwas ändern.

Enttäuschung und Trennung durch Alkohol

Alkoholsucht ist eine Krankheit, die den oder die Betroffene immer begleiten wird. Das bedeutet, die Sucht wird das gesamte Leben des Alkoholabhängigen, aber auch das seiner Partnerin bzw. seines Partners bestimmen. Es wird ein dauerhafter Kampf gegen den Alkohol sein, bei dem auch Rückschläge möglich sind. Die Frage, die geliebte Person wegen eines Alkoholproblems zu verlassen oder bei ihm/ihr zu bleiben, hat also weitreichende Folgen.

Auf der einen Seite verspürt man die Liebe und Verbundenheit zum/zur Partner:in und hängt an den vielen schönen Erinnerungen, die man miteinander erlebt hat. Die gemeinsam verbrachte Zeit scheint zu wertvoll, um sie einfach so wegzuschmeißen. Viele Paare entschließen sich deshalb dazu, um die Beziehung zu kämpfen. Die schönen Erlebnisse mit dem Menschen, der hinter der Krankheit steckt, sollen nicht vergessen werden. Da wären zum Beispiel die Geburt des ersten Kindes, die wunderschönen Urlaube oder auch der Hochzeitstag, der nach wie vor der schönste im gemeinsamen Leben war.

Auf der anderen Seite stehen die Folgen der Sucht und die häufigen Enttäuschungen. Umso bitterer ist es dann, wenn die anfängliche Hoffnung, die Beziehung retten zu können, durch immer wiederkehrende Rückschläge getrübt wird. Den ersten kannst Du vielleicht noch ganz gut verkraften. Doch je häufiger diese vorkommen, desto mehr zweifelst Du daran, ob Deine Liebe alleine ausreicht, damit ihr wieder glücklich werden könnt.

Ob eine Trennung für Dich in Frage kommt, musst Du ganz allein entscheiden. Die ganze Last einer Sucht auf seine Schultern zu laden und diese zu tragen, ist nicht leicht. Mach Deine Entscheidung nicht von anderen abhängig. Du hast Deine Grenzen und diese müssen gewahrt werden.

Co-Abhängige Frau eines Alkoholikers bekommt Unterstützung in einer Selbsthilfegruppe

Auch Du brauchst Hilfe

Mit wem sollst Du über die Alkoholsucht reden, die Dich ebenfalls schwer belastet? An Deine Freund:innen möchtest Du Dich vielleicht nicht wenden und Du willst auch nicht, dass Deine Eltern schlecht über Deinen/Deine Partner:in denken. Eine Selbsthilfegruppe ist vielleicht eine gute Möglichkeit. Natürlich ist es ein sehr persönliches Thema, wenn es darum geht, über die Auswirkungen einer Alkoholsucht zu reden. Sowohl für die Angehörigen als auch für den oder die Süchtige spielt Scham häufig eine zentrale Rolle. Trotzdem kann es hilfreich sein, sich mit Menschen auszutauschen, die die Suchtproblematik genau kennen und auch selbst erlebt haben. So kannst Du endlich offen darüber sprechen und erfährst auch den Rückhalt, den Du selbst für Deinen/Deine Partner:in aufbringst.

Ein Paar kann das Dilemma einer Suchterkrankung gemeinsam durchstehen. Wenn der/die Kranke dann trocken ist, muss aber dem Partner bzw. der Partnerin klar sein, dass sie/er ein Leben lang mit einem/einer Alkoholiker:in zusammenleben wird.

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