Trennung auf Zeit – funktioniert das?

Frau hält gebrochenes Herz mit beiden Händen zusammen

Wer kennt sie nicht, die Hochs und Tiefs einer Beziehung. Wer in einer Partnerschaft lebt, der weiß, dass man nicht immer einer Meinung sein kann und dass es vielleicht auch mal zu einem Streit kommt. Was aber, wenn Reibereien und Auseinandersetzungen der Normalzustand geworden sind? Was, wenn Aggressionen zum täglichen Miteinander gehören und bereits der Gedanke, nach Hause zu kommen, ein bedrückendes Gefühl auslöst? Die Emotionen füreinander sind zwar noch nicht verschwunden, aber sie sind auch nicht mehr annähernd dasselbe wie zur Anfangszeit. Statt sich auszusprechen wird aneinander vorbeigeredet oder schlimmer noch, sich angeschwiegen. Ihr steckt in einer Sackgasse und alles scheint unweigerlich auf eine Trennung zuzusteuern. Bevor Ihr jedoch alles hinschmeißt, was Ihr Euch über die Jahre aufgebaut habt, wollt Ihr noch einen letzten Versuch starten: eine Trennung auf Zeit. In diesem Artikel möchten wir Dir helfen, herauszufinden, ob eine Beziehungspause für Euch wirklich der richtige Weg ist.

Gründe für eine Trennung auf Zeit

Eine Trennung auf Zeit ist nichts, wozu sich ein Paar leichtfertig entscheidet. Sie bedeutet eine Menge Arbeit an Euch selbst und birgt zudem ein hohes Risiko, dass eine dauerhafte Trennung daraus wird. Meistens ist sie der letzte Strohhalm, an den man sich klammert, wenn hinter all dem Streit und der Enttäuschung noch immer ein Funken Hoffnung besteht, die Beziehung retten zu können. Sie schafft Bedenkzeit, um sich über die eigenen Gefühle und Bedürfnisse klarzuwerden, die zuvor von den Dauerstreitigkeiten übertönt wurden.

Wenn Du und Dein Partner/Deine Partnerin es ernsthaft mit einer Beziehungspause versuchen wollt, ist es zuallererst wichtig, dass Ihr Euch gemeinsam für diesen Weg entscheidet. Dabei müsst Ihr dasselbe Ziel vor Augen haben. Zieht einer/eine von Euch lediglich mit, wird es Euch sehr schwerfallen, diese Prüfung zu bestehen. Überlegt also beide gründlich, ob Ihr diesen Weg gehen wollt. Häufig entscheiden sich Paare für eine Beziehungspause, wenn folgende Gründe vorliegen:

  • Zweifel an den eigenen Gefühlen oder denen des Partners/der Partnerin.
  • Die Beziehung hat eine unerwartete Richtung eingeschlagen, die eine gemeinsame Zukunft infrage stellt.
  • Ständiges Streiten oder Langeweile.
  • Langfristige Probleme wie Frust, Eifersucht, Untreue oder ein Auseinanderleben.
  • Ein Einzelvorfall, der die Beziehung schwer erschüttert hat (z.B. ein Seitensprung oder ein extremer Wutausbruch).
  • Das Gefühl, eingeengt zu sein, und das Bedürfnis, sich selbst zu finden.
  • Persönlicher Ballast (z.B. aus einer vorherigen Beziehung, Arbeitsstress, Alkoholsucht).
  • Gefühle für eine dritte Person.

Es ist völlig in Ordnung, Unklarheit über die eigenen Emotionen zu empfinden. Solange Ihr Euch gegenseitig die Sicherheit bietet, offen und ehrlich über das zu sprechen, was Euch bedrückt, gibt es auch Hoffnung für Eure Beziehung. Die gegenseitigen Gefühle und Bedenken ernst zu nehmen, schafft Raum für Veränderung und hilft Euch, gemeinsam eine konstruktive Lösung zu finden.

Paar sitzt sich ernst gegenüber und spricht über Trennung auf Zeit

Was sollte bei einer Trennung auf Zeit bedacht werden?

Entscheidet Ihr Euch für eine Auszeit, ist es unentbehrlich, dass Ihr so detailliert wie möglich besprecht, welche Regeln für diese Zeitspanne gelten. Vor allem, wenn Ihr zusammenlebt, gehen mit einer Beziehungspause viele Veränderungen einher, die vorheriger Klärung bedürfen. Bestehen Unklarheiten darüber, wer wann die Kinder nimmt oder ob die Haushaltskasse für die Dauer der Pause getrennt wird, liefert dies weiteres Konfliktpotenzial. Hier sind einige zentrale Fragen, die Ihr Euch im Vorfeld beantworten solltet:

  • Wo steht Ihr mit Eurer Beziehung gerade? Welche Probleme möchtet Ihr lösen? Fehlt Dir die Aufmerksamkeit und Wertschätzung Deines Partners/Deiner Partnerin? Oder müsst Ihr lernen, richtig miteinander zu streiten? Was sind realistische Ziele, die Ihr erreichen könnt?
  • Wie lange soll die Beziehungspause dauern? Empfohlen sind mindestens ein paar Wochen, damit Ihr ausreichend Abstand zueinander gewinnt, und höchstens ein halbes Jahr, damit Ihr Euch nicht völlig voneinander entfremdet.
  • Ist eine räumliche Trennung möglich? Wenn ja, wer zahlt für die zweite Unterkunft und wo leben ggf. die Kinder? Ist ein Unterkommen bei Familie oder Freunden machbar?
  • Wie häufig habt Ihr Kontakt? Eine anfängliche Ruhepause ist zwar hilfreich, um hitzige Emotionen abzukühlen, aber um an Euren Problemen zu arbeiten, ist es wichtig, dass Ihr Euch regelmäßig über Eure Erfahrungen austauscht.
  • Wie verhält es sich mit dem Thema Treue? Betrachtet Ihr Euch während der Pause als Single? Ist es in Ordnung, etwas mit anderen anzufangen?
  • Wie regelt Ihr Eure Finanzen? Wer zahlt für die Kinder, das Haustier, die Wohnung?

Eure Vorbereitung entscheidet mit über Erfolg oder Misserfolg der Beziehungspause. Es ist gar nicht zwingend notwendig, dass Ihr während dieser Zeit alle Eure Probleme bewältigt bekommt. Wenn Ihr einen Teil davon aus der Welt schafft, ist das bereits ein Schritt in die richtige Richtung und kann Euch emotional genügend entlasten, um Eure Beziehung wieder aufzunehmen.

Wenn es gut läuft …

Ein guter Verlauf bietet Euch als Paar die Chance eines Neuanfangs. Die Auszeit schafft genügend Freiraum, dass Klarheit in Eure Gedanken einkehren kann und Ihr Euch auf die wahre Natur Eurer Gefühle rückbesinnt. Ihr gewinnt Abstand zu vorherigen Streitpunkten, sodass die positiven Aspekte des Partners/der Partnerin wieder in den Vordergrund treten. Anstatt Euch an den Unterschieden in Euren Persönlichkeiten zu reiben, lernt Ihr diese wertzuschätzen. Ihr werdet Euch wieder der großen und kleinen Dinge gewahr, die Euch ursprünglich gegenseitig angezogen haben, und beginnt, diese zu vermissen. Ihr könnt Euch wieder vertrauen, spürt wieder Intimität zwischen Euch. Wenn Ihr Euch in die Augen blickt, knistert es endlich wieder. Die Liebe erneuert sich und Ihr könnt Pläne für eine gemeinsame Zukunft schmieden.

Legt Euren Fokus aber nicht ausschließlich auf das Positive. Um akute Probleme nicht bloß zu verdrängen, sondern aus der Welt zu schaffen, müssen diese konkret in Angriff genommen werden. Wenn Ihr die Zeit der Trennung dazu nutzt, um an Eurer Beziehung und Euch selbst zu arbeiten, kann dies Eure Beziehung sogar noch stärker machen, als sie es vor der Pause war. Anstatt Euch gegenseitig Anschuldigungen an den Kopf zu werfen, gesteht ruhig auch eigene Fehler oder Mängel ein. Solche Eingeständnisse können Euch helfen, Euch als Partner:in weiterzuentwickeln. Wenn Du es schaffst, persönliche Mankos oder Altlasten in den Griff zu bekommen, zeigt das Deinem Partner/Deiner Partnerin, dass Du es ernst meinst und motiviert ihn/sie dazu, sich ebenfalls für Dich ins Zeug zu legen.

Wenn es schlecht läuft …

Leider verläuft eine Trennung auf Zeit oft nicht so, wie Ihr es Euch in der Idealvorstellung erhofft. Manche Partner:innen sind alleine durch den Vorschlag einer Beziehungspause so sehr vor den Kopf gestoßen, dass sie das Vertrauen in die Beziehung verlieren. Kommt es zu einer Auszeit, sind die oft komplizierte Organisation und der rapide Umbruch des Gewohnten mitunter sehr belastend. Manche Paare wissen vorher nicht wirklich, worauf sie sich einlassen und sind überfordert von der Situation oder fühlen sich alleingelassen. Einige erwarten, dass der Abstand selbst ausreicht, um die Konflikte zu bereinigen und negative Gewohnheiten einzudämmen. Anstatt gemeinsam an Beziehungsproblemen zu arbeiten, alte Verletzungen anzusprechen und zu verzeihen, werden diese lediglich aufgeschoben und ein paar Monate später beginnen dieselben Probleme erneut.

Eine Trennung auf Zeit birgt leider auch das Risiko, eine Trennung auf Raten zu werden. Durch die Distanz lebt Ihr Euch womöglich noch weiter auseinander. Die vorangegangenen problematischen Wochen oder Monate, der letzte Streit, die letzte Unverschämtheit vor der Pause werden in der Erinnerung aufgebauscht und stehen letztlich sinnbildlich für die gesamte Beziehung. Vielleicht geht es Euch alleine auch einfach zu gut, um in die Beziehung zurückkehren zu wollen. Ihr entdeckt verdrängte Freiheiten wieder, unternehmt mehr mit Freunden, verliebt Euch womöglich sogar in jemand Neues. Wenn das Motiv für die Beziehungspause alleine darin liegt, mehr Privatleben zu haben, hilft das zwar Eurem Wohlbefinden, aber nicht zwangsläufig Eurer Beziehung.

Mann legt Frau Hand auf die Schulter von hinten

Trennung auf Zeit – eine Chance!

Eine Beziehungspause ist ein zweischneidiges Schwert. Sie kann die Beziehung verteidigen oder aber ihr den Gnadenstoß versetzen. Bist Du bereit, dieses Risiko einzugehen, kannst Du dafür mit erstarkender Leidenschaft und einem erprobten Liebesbeweis belohnt werden. Seid Euch sicher, dass Ihr beide die Auszeit braucht und währenddessen das gleiche Ziel verfolgt. Besprecht ausgiebig, wie Ihr die Pause angehen wollt und haltet Euch an Eure Absprachen. Wenn Ihr das Gefühl habt, dass die Auszeit eine Richtung einschlägt, die so nicht geplant war, sprecht dies an und überlegt gemeinsam, wie Ihr damit umgeht. Eine Beziehungspause unterliegt keinem Alles-oder-Nichts-Prinzip. Der eine Konflikt klärt sich, ein anderer kann bestehen bleiben.

Selbst wenn Ihr anschließend nicht wieder zusammenkommt, wirst Du immer noch davon profitieren, an Deinen Schwächen gearbeitet zu haben. So kannst Du begangene Fehler in zukünftigen Beziehungen leichter vermeiden. Wenn Ihr den Mut und das Durchhaltevermögen dazu habt, kann eine Beziehungspause funktionieren, um Eure Beziehung wieder auf den richtigen Pfad zu bringen und Eure Liebe zu erneuern.

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