Ist es eine toxische Beziehung?

Streitendes Paar

Häufig bleibt eine toxische Beziehung lange Zeit unerkannt. Besonders die Anfangsphase ist geprägt von Schmetterlingen im Bauch. Geht dieses Gefühl dann erst einmal vorbei, trifft uns die Realität und diese ist in solchen Beziehungen leider gar nicht rosig. Die traute Zweisamkeit, die oft wie in einem Liebesroman begonnen hat, wird schnell zum Albtraum, der einen immer wieder einholt …

Hier erfährst Du, was eine toxische Beziehung ausmacht und auf welche Anzeichen Du unbedingt achten solltest!

Was ist eine toxische Beziehung?

Das Wort „toxisch“ ist seit geraumer Zeit in aller Munde, doch viele wissen gar nicht so genau, was damit eigentlich gemeint ist. Einige bezeichnen ihre Partner bereits bei den ersten Missstimmungen als toxisch oder die Beziehung wird als giftig beschrieben, weil man ab und an mal streitet. Doch gelegentliche Unstimmigkeiten machen noch lange keine „giftige Partnerschaft“ aus.

Es handelt sich vielmehr um destruktive bzw. dysfunktionale Beziehungsmuster, die nach und nach integriert werden und das Zusammenleben vergiften. Häufig ist es ein Wechselspiel aus Nähe und Distanz, Kälte und Wärme sowie Paradies und Katastrophe. In dem einen Moment sitzt Du noch einem liebevollen, emphatischen und gut gelaunten Partner gegenüber. Im nächsten Moment kippt die Stimmung schlagartig und es folgen boshafte und verletzende Kommentare.

Eine genaue Definition einer toxischen Beziehung gibt es nicht. Das Hauptmerkmal ist aber immer gleich: Sie rauben einem oder beiden Partnern jegliche Energie und Kraft. Kleinigkeiten führen zu aufbrausenden Streitereien. Es finden seelische oder gar körperliche Misshandlungen statt, die auf Dauer starke psychische und physische Folgen nach sich ziehen können.

Toxische Beziehungen haben viele Gesichter und Facetten. Es ist nicht immer so, dass die Beziehung per se vergiftet ist. Es sind vielmehr die Verhaltensweisen des Partners oder der Partnerin, die die Beziehung vergiften. In vielen toxischen Beziehungen ist einer der beiden Partner egozentrisch oder narzisstisch veranlagt, während der andere ein schwaches Selbstwertgefühl hat oder depressive Tendenzen aufweist. Einer versucht immer den anderen zu verstehen und alles richtig zumachen, während der andere kaum auf den Partner eingeht. Einer bestimmt die Regeln und der andere kommt gar nicht mehr auf die Idee zu widersprechen.

Toxische Beziehung von Marie und Hannes. Er ist wütend und sie verzweifelt.

Einblicke in giftige Beziehungsmuster

Hannes und Marie lernten sich auf einer Geburtstagsfeier kennen. Es folgten 3 Monate voller Leidenschaft, tiefgründiger Gespräche und intensiver Momente. Sie wurden offiziell ein Paar. Nur wenige Wochen später begann der Albtraum. Immer und immer wieder kritisierte Hannes Marie. Sie hatte offensichtlich den falschen Beruf, die falschen Freunde und ihr Musikgeschmack passte ihm plötzlich auch nicht mehr. Sie sei zu sensibel, zu langweilig und wäre ihm zu albern.  Marie konnte es nicht glauben, da Hannes genau diese Dinge zu Anfang so an ihr schätzte und sich genau deshalb in sie verliebte.

Marie versuchte nicht mehr so albern zu sein und das Leben mit mehr Ernsthaftigkeit anzugehen. Ihre Freunde wunderten sich, denn sie schätzten ihre unbeschwerte und lockere Art. Marie hörte auf sich zu schminken, weil Hannes sie einmal auslachte und sagte, sie würde mit ihrem neuen Lippenstift wie ein Clown aussehen. Ihre Freunde sah sie nur noch selten, denn Hannes überzeugte sie schnell davon, dass ihre Freunde es nicht gut mit ihr meinen. Die Mädelsabende mochte er ebenfalls nicht. Dass Marie männliche Freunde hat, mit denen er sich selbst zu Anfang hervorragend verstanden hatte, war irgendwann auch inakzeptabel.

Marie liebte Hannes und war davon überzeugt, er würde nur das Beste für sie wollen, also legte sie großen Wert auf seine Ansichten. Marie erinnert sich noch gut an den Moment, als sie an einem Samstagabend bei ihrer Mutter war.  Sie hatte einen anstrengenden Tag, fühlte sich erschöpft und brauchte jemanden der für sie da ist. Weil sie Hannes mal wieder nicht erreichen konnte, fuhr sie zu ihrer Familie. Irgendwann rief er endlich zurück und fing sofort an, ihr Vorwürfe zu machen und sie lautstark zu beschimpfen.

Er war überzeugt davon, sie sei mit jemand anderem unterwegs und seine Eifersucht nahm überhand. Zu Hause angekommen versuchte Marie ihn zu besänftigen und erklärte ihm, sie sei nur kurz bei ihrer Mutter gewesen. Hannes war weiterhin wütend. Sie weinte wieder bitterlich. Ihm war das egal, denn sie weinte schließlich immer. Er glaubte Marie nicht und jegliche Erklärungsversuche ihrerseits übertönte er mit seinem Geschrei. Anschließend ging er dann zu einem Kumpel, um Marie, die ihn so verletzt hatte, nicht mehr sehen zu müssen. Marie weinte die ganze Nacht lang und fragte sich, wo er wohl hingegangen sei. Hannes kam erst am frühen Morgen zurück.

Marie knickte wieder einmal ein und entschuldigte sich dafür, ihm nicht sofort davon erzählt zu haben, dass sie bei ihrer Familie war. Sie nahm ihn wieder in Schutz, verstand das Hannes sauer war und sich möglicherweise Sorgen machte.

Bis Marie endlich bemerkte, dass Hannes und sie eine ungesunde und toxische Beziehung führen, vergingen Jahre …

Toxische Beziehung: Anzeichen

Zu oft reden sich Betroffene ihre Beziehung schön und stecken ihre eigenen Bedürfnisse und Ansichten zurück. Meist entwickeln sich die Anzeichen einer vergifteten Partnerschaft schleichend. Toxische Partner haben sehr oft ein großes Bedürfnis nach Kontrolle, Macht und Dominanz.

Frauen geraten in der Regel häufiger in die Rolle des „Opfers“ bzw. werden zum „schwächeren“ Teil in der Beziehung, als Männer. Der überwiegende Teil der toxisch handelnden Menschen sind Männer mit einer mangelnden Ausprägung von Empathie und Einfühlungsvermögen. Grundlage toxischer Beziehungen ist eine starke gegenseitige Abhängigkeit. Es ist fast wie eine Sucht, von der beide Partner nicht loskommen und zum Teil langfristig Entzugserscheinungen psychischer Art entwickeln.

Liebe macht eben manchmal blind. Deshalb haben wir die wichtigsten Merkmale einer toxischen Beziehung für Dich noch einmal übersichtlich zusammengetragen.

Diese Checkliste zeigt Dir, ob Deine Beziehung toxische Muster aufweist:

  • Du steckst sehr viel Liebe und Energie in die Partnerschaft, bekommst jedoch nur wenig zurück.
  • Du kannst es ihm/ihr nie recht machen.
  • Du verteidigst sein/ihr inakzeptables Verhalten vor anderen Menschen.
  • Dein/Deine Partner:in isoliert Dich zunehmend von Freunden und Familie oder redet schlecht über sie.
  • Er/sie wirkt nach außen hin sehr charmant, wird zu Hause jedoch zum wahren Ekelpaket.
  • Dein/Deine Partner:in macht Dich oft völlig grundlos nieder.
  • Dein/Deine Partner:in verletzt Dich bewusst verbal oder sogar körperlich.
  • Er/sie erniedrigt Dich vor anderen Menschen.
  • Dein/Deine Partner:in gibt Dir ständig die Schuld für Dein eigenes Unglück, bis Du schließlich selbst davon überzeugt bist.
  • Dein/Deine Partner:in lässt seine schlechte Laune immer an Dir aus, hat extreme Gefühlsschwankungen und ist unberechenbar.
  • Er/sie versucht Dich zu manipulieren und verdreht Tatsachen.
  • Dein/Deine Partner:in kennt Deine Schwächen ganz genau und weiß, womit er/sie Dich am meisten verletzen kann.
  • Dein/Deine Partner:in gibt sich bei Diskussionen nicht einmal die Mühe, Deinen Standpunkt zu verstehen.

Wenn bereits einer dieser Punkte auf Deinen/Deine Partner:in bzw. auf Deine Beziehung zutrifft, kann dies ein Hinweis darauf sein, dass Du Dich in einer toxischen Beziehung befindest. Eine maßgebende Rolle spielt ebenfalls die Dauer. Hat Dein/Deine Partner:in nur einen schlechten Tag und verhält sich sonst immer sehr einfühlsam und respektvoll? Dann sei bitte nicht zu streng. Geh die Checkliste noch einmal ganz in Ruhe durch und schau genau, ob das Verhalten Deines/Deiner Partner:in nur eine Ausnahme war oder eher die Norm ist. Trifft letzteres zu, sollten spätestens jetzt die Alarmglocken bei Dir läuten.

Frau weint und umarmt ihren toxischen Partner.

Es gehören immer zwei dazu

Eine toxische Beziehung basiert darauf, dass zwei Menschen mit gewissen Eigenschaften aufeinandertreffen: Der eine, der den anderen unterdrückt, und der andere, der es mit sich machen lässt. Denn zu einer toxischen Beziehung gehören immer zwei.

Toxische Menschen und Narzissten suchen sich ihre Partner bewusst aus. Sie brauchen jemanden, der formbar ist, ein niedriges Selbstwertgefühl besitzt und sich ihnen nicht widersetzt. Dies tun narzisstische Personen, um die eigene innere Schwäche, Verlustangst und Unsicherheit durch ihr Machtverhalten zu überdecken. Nach außen hin strahlen sie oft Stärke aus. Statt Fehler bei sich selbst zu suchen, schiebt ein Narzisst sie lieber Dir in die Schuhe. Das solltest Du jedoch nicht länger akzeptieren.

Wenn Du nun festgestellt hast, dass Deine Beziehung ebenfalls vergiftet sein könnte, liegt das nicht nur an Deinem Partner, sondern auch an Deiner eigenen Einstellung, die es zu hinterfragen gilt. Warum suchst Du Dir einen solchen Partner aus? Arbeite unbedingt an Deinem mangelndem Selbstwert/Selbstbild und übe Dich darin, Grenzen zu setzen. Du selbst bist der wichtigste Mensch in Deinem Leben.

Häufig passiert es auch, dass die Person, die sich jahrelang in der Opferrolle befand, ebenfalls vergiftete Verhaltensmuster zu entwickeln beginnt. Aus der Verzweiflung heraus, kann aus dem Opfer ein Täter werden. Nicht nur in der bestehenden Beziehung, auch in neuen Partnerschaften, kann dies der Fall sein. Die Verhaltensweisen des toxischen Partners werden oft unbewusst abgeschaut und gespiegelt. 

Frau sagt Stopp zu der Toxischen Beziehung! Und zeigt mit ihrer Hand, dass es reicht

Du führst eine toxische Beziehung? Das ist jetzt zu tun!

Liebe soll guttun. Sie soll das Leben erleichtern und Dich bzw. Euch glücklich machen. Gelegentliche Streitigkeiten, Diskussionen oder Meinungsverschiedenheiten gehören zu einer gesunden Partnerschaft manchmal dazu. Machtspiele, extreme Eifersucht oder Narzissmus sorgen aber dafür, dass manche Beziehungen uns vergiften und klein halten.

Viele Menschen in toxischen Beziehungen fühlen sich trotz Erniedrigungen und Zurückweisungen für die Beziehung verantwortlich und wollen diese retten. Bevor Du um Deine Beziehung kämpfst und die letzte Energie dafür aufbringst, mach Dir bitte bewusst, weshalb Du an der Beziehung so krampfhaft festhalten möchtest. Vertraue Dich Deiner Familie oder Deinen Freunden an oder suche Dir bitte professionelle Hilfe. Ganz gleich, ob Du die Beziehung beendest oder noch mitten drin bist.

In den meisten Fällen ist eine vergiftete Beziehung jedoch nicht zu retten. Eine Trennung, so schwer sie auch sein mag, ist oft die beste Entscheidung. Besonders bei starker psychischer Gewalt oder bei ersten Anzeichen von körperlicher Gewalt, sollte die Partnerschaft dringend beendet werden. Gleiches gilt, wenn ein Partner die beschriebenen toxischen Verhaltensweisen an den Tag legt und keine Veränderungsbereitschaft zeigt. Dann ist die Beziehung ein hoffnungsloser Fall.

Wenn jemand cholerisch oder narzisstisch veranlagt ist und sich deswegen vielleicht sogar in einer Therapie befindet und an sich arbeitet, kann die Beziehung möglicherweise noch eine Chance haben. Doch wer nur darüber spricht, etwas zu verändern und keine Taten folgen lässt, den sollte man besser ziehen lassen …

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