Wenn aus Liebe Hass wird

Frau zerreißt Bild von sich und Ex-Partner

Negative Gefühle dem Partner oder der Partnerin gegenüber dürfte wohl jeder/jede kennen. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die sich in den Alltag einschleichen und irgendwann das Fass zum Überlaufen bringen. Doch was, wenn sich die Gefühle ins Gegenteil kehren? Was, wenn aus Liebe Hass wird?

Manchmal sind es auch Gefühle, die in tieferen Problemen wurzeln und es auch nach Jahren noch vermögen, einen zur Weißglut zu treiben. Wir möchten diesen gegensätzlichen Gefühlen auf den Grund gehen und herausfinden, woher sie kommen und was wir gegen sie tun können ­­- egal ob in oder nach einer Partnerschaft. Was ist es, das uns so wütend macht, so sehr verletzt und das auch noch so nachhaltig, dass es selbst Jahre nach einer Trennung immer noch nicht überwunden scheint?

Der Anfang und das Ende einer Beziehung

Wie kommt es dazu, dass eine Beziehung, die mit starker gegenseitiger Zuneigung, Leidenschaft und generellen Schmetterlingen im Bauch begonnen hat, mit Hass endet, der einen zu Handlungen treibt, die von außen betrachtet völlig übertrieben wirken? Das lässt sich vielleicht am besten anhand eines Beispiels zeigen.

Tim und Sandra


Tim und Sandra sind seit 15 Jahren ein Paar und seit 12 Jahren auch verheiratet. Die beiden haben sich in ihrer Ausbildung kennen und lieben gelernt. Nach einem Jahr Beziehung sind die beiden zusammengezogen, in eine schöne kleine Wohnung am Rande der Stadt. Nach außen hin wirken sie wie ein glückliches Pärchen, auch ihre kleine Tochter Maria lieben die beiden über alles. Doch warum sitzt Sandra dann jetzt bei ihrer Freundin und kann gar nicht mehr aufhören zu weinen? Ihre Ehe sei kaputt, gescheitert, eine Zukunft mit Tim kann sie sich beim besten Willen nicht mehr vorstellen und überhaupt möchte sie ihn nie wiedersehen. Sie redet davon, Schlösser an der Haustür austauschen zu lassen, während er auf der Arbeit ist.

Ihre Freundin ist entsetzt und kann gar nicht nachvollziehen, warum Sandra auf einmal so voller Hass ist. „Das mit dem Haushalt habt ihr doch jetzt hinbekommen und Tim zieht doch jetzt auch viel weniger mit seinen Freunden um die Häuser“ merkt Sandras Freundin an. Doch um diese Probleme geht es Sandra auch gar nicht. Zwar führt Tims fehlender Sinn für Sauberkeit und sein Hang, auch gerne unter der Woche mit seinen Freunden loszuziehen, immer wieder zu Streit zwischen den beiden.

Der Vertrauensverlust


Das Fass zum Überlaufen brachte aber Tims Fehltritt, eine Affäre nach nur 2 Jahren Beziehung. Damals hatte er geschworen, dass es ein einmaliger Ausrutscher war und nie wieder vorkommen würde. Dieses Versprechen hatte Sandra so akzeptiert und trotzdem konnte sie nichts dagegen tun, dass dieser erlebte Vertrauensverlust sie immer wieder traurig machte. Vor allem in Zeiten, in denen sie das Gefühl hatte, von Tim in Sachen Haushalt und Erziehung ihrer Tochter alleine gelassen zu werden.

Und jetzt war es nochmal passiert. Tim hatte sie erneut betrogen, noch dazu über mehrere Monate. Damit brach für Sandra eine Welt zusammen. Für sie war jetzt klar, dass ihre Beziehung gescheitert war, dass ihre Tochter mit getrennten Eltern aufwachsen würde und dass sie niemals wieder Vertrauen zu ihrem noch Ehemann fassen konnte. „Ich hasse ihn! Wie kann er mir so etwas nur antun, nach all dem, was ich für ihn getan habe?“ Generell stellte sie die Liebe zwischen sich und Tim in Frage. Der Mann, den sie einst so geliebt hatte, schien ihr jetzt ein völlig Fremder zu sein, den sie am liebsten nie wiedersehen wollte.

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Das Prinzip der Hassspirale

Die Geschichte von Sandra und Tim macht deutlich, dass sich durch die Anhäufung von zunächst Kleinigkeiten negative Emotionen aufstauen können, die dann in einer großen Explosion enden, wenn es z.B. zu einem schlimmen Vertrauensbruch in der Beziehung kommt. Es kann ganz harmlos anfangen, beispielsweise mit Haushaltsaufgaben, die immer nur einem/einer Partner:in aufgebürdet werden, einem mangelnden Interesse an den Bedürfnissen des/der Partner:in oder Meinungsverschiedenheiten, die immer wieder mit Liebesentzug bestraft werden. Diese Verhaltensweisen führen dazu, dass man sich über sie ärgert, sie einen wütend machen und häufig in Frustration enden.

Eine Hassspirale kann daraus entstehen, wenn diese Verhaltensmuster über eine längere Zeit bestehen und sich nicht ändern. Das beschriebene Verhalten wird weder angesprochen, noch wird daran gearbeitet und neue Probleme kommen auch noch hinzu. Über die Zeit schaukelt sich dann alles immer weiter hoch und es braucht nur noch einen Fehltritt und all die unterdrückten, unausgesprochenen Emotionen quellen über.

Die Enttäuschung und Wut über den/die Partner:in lässt sich oft nicht mehr im Zaum halten. Es kann zu Reaktionen wie Beschimpfungen, Anbrüllen und Handgreiflichkeiten kommen. Wenn aus Verzweiflung und Wut Hass geworden ist, kommt es oft zu Rachefantasien und dem Wunsch danach, die andere Person müsse leiden und man möchte sie niemals wiedersehen.

Handlungen, die dazu führen können, dass aus Liebe Hass wird, können unter anderem sein:

  • starke Eifersucht und Kontrolle des/der Partner:in
  • wiederholte physische und psychische Gewalt
  • permanentes Lügen
  • eine unerwartete und unbegründete Trennung
  • Affären und Fremdgehen
Frau sitzt nach einem heftigen Streit mit ihrem Partner traurig auf den Bett und weint.

Wenn Deine Beziehung von negativen Empfindungen beeinflusst wird

In einer Partnerschaft kann es nicht immer nur harmonisch zugehen. Wir alle kennen das, dass es hin und wieder auch mal zu einem Streit kommt. Man ärgert sich über den/die Partner:in und ist über bestimmte Verhaltensweisen wütend. Das ist ganz normal und nichts, über das Du Dir Gedanken machen müsstest.

Sorgen solltest Du Dir erst dann machen, wenn negative Gefühle und Streitigkeiten die Oberhand gewinnen. Wenn Du also mit Deinem/Deiner Partner:in häufiger streitest, als dass Ihr eine schöne Zeit miteinander verbringt, dann sind das ernste Warnzeichen. Ein weiterer Hinweis darauf, dass Deine Beziehung aus der Balance geraten ist, kann sein, wenn das einzige Thema, über das Du Dich mit Deinen Freund:innen austauschst, der ewige Streit mit Deinem/Deiner Partner:in ist. Es beschäftigt Dich so sehr, dass das alles ist, woran Du denken kannst und das spüren dann auch Deine Freund:innen.

Ein Muster, welches sich häufig erst nach einiger Zeit zeigt, ist eine toxische Beziehung. Zu Beginn ist der/die Partner:in noch sehr aufmerksam, charmant und hingebungsvoll, doch nach einiger Zeit ändert sich dieses Verhalten schlagartig. Immer wieder fängt Dein/Deine Partner:in an Dich herunterzumachen, Dir Sachen vorzuwerfen, über die es sich gar nicht zu streiten lohnt und Dich für alles verantwortlich zu machen. Erkennst Du ein solches Muster in Deiner Beziehung wieder, solltest Du Dich schnellstmöglich einem/einer guten Freund:in anvertrauen.

Richtig trennen

Das bringt uns zu einem ganz wichtigen Punkt. Wenn es nicht mehr weitergeht und eine Trennung unweigerlich bevorsteht, dann solltest Du darauf achten, dass Du Dich so von Deinem/Deiner Partner:in trennst, dass Ihr beide mit der Beziehung abschließen könnt. Das bedeutet, die Fronten sollten geklärt werden. Vielleicht müsst Ihr Euch auch bei einander entschuldigen. Alte Streitthemen müssen niedergelegt werden und Ihr solltet zumindest versuchen, Euer Gegenüber nachzuvollziehen und zu verstehen.

Häufig führt das auch dazu, dass man sich nach solch einer Aussprache wieder annähern kann und vielleicht sogar einen Weg findet, die Beziehung fortzuführen. Wenn nicht, dann solltest Du danach aber immerhin in der Lage sein, Dich von Deinem/Deiner Partner:in im Guten zu trennen.

Durch das gemeinsame Gespräch verhinderst Du, dass Du Dich vielleicht auch Jahre nach einer Trennung, immer noch darüber ärgerst, manche Dinge unausgesprochen gelassen zu haben. Wenn aber alles geklärt ist und Du alles gesagt hast, was Dir auf dem Herzen brennt, dann bist Du bereit endgültig damit abzuschließen und nach vorne zu schauen.

Wenn aus Liebe Hass wird: Ein Paar hat sich nichts mehr zu sagen.

Gefühle müssen verarbeitet werden

Suchen Dich noch Jahre nach einer Trennung negative Gefühle und Wut gegenüber Deinem/Deiner Ex-Partner:in heim, dann ist es allerhöchste Zeit diese Gefühle endlich richtig zu verarbeiten. Dafür ist es ganz wichtig, dass Du Dich fragst, woher kommen diese negativen Gefühle, diese Wut? Wieso beschäftigt mich das auch Jahre nach der Trennung immer noch? Warum habe ich so viel Wut in mir? Hat es vielleicht auch etwas mit mir zu tun? Bin ich nicht damit zufrieden, wie ich mit der Situation damals umgegangen bin?

Um eine Antwort auf all diese Fragen zu bekommen, ist es nötig, dass Du Dich nicht nur intensiv mit der vergangenen Beziehung und Deinem/Deiner Ex-Partner:in beschäftigst, sondern auch mit Dir selbst. Nur Du kannst ergründen, was es ist, das Dich auch Jahr später immer noch belastet und so wütend macht. Bei dieser Auseinandersetzung mit Dir selbst, kann es auch hilfreich sein, mit guten Freunden zu sprechen. Viele neigen nämlich dazu, mit sich selbst zu hart ins Gericht zu gehen. Hole Dir Feedback von Freund:innen und Dir nahestehenden Menschen ein. Sie werden Dir nicht nur die negativen, sondern ganz sicher auch die positiven Seiten aufzeigen. Und das ist wichtig für Deinen Heilungsprozess.

Zu einem Streit und auch einer Trennung gehören ja immer zwei. Sicherlich wirst Du auch Deinen Beitrag geleistet haben, dass es zu unangenehmen Situationen und vielleicht auch zum Scheitern Deiner Beziehung kam. Aber Dein/Deine Ex-Partner:in hat die andere Hälfte dazu beigetragen und es ist nicht alles Deine Schuld. Nur wenn Du Dir dessen bewusst bist, kannst Du Deine Wut auf Deinen/Deine (Ex-)Partner:in überwinden und wieder glücklich werden.

Kann eine Paartherapie helfen?

Wenn Du noch die Hoffnung hast, dass Deine Beziehung zu retten ist, dann solltest Du die Möglichkeit einer Paartherapie nicht ungenutzt lassen. Manchmal spürt man auch einfach, dass es nichts mehr zu holen gibt. Andererseits ist das Kind oft noch nicht ganz in den Brunnen gefallen und Deine Beziehung hat noch eine Chance. Es kostet meistens eine gewisse Überwindung, sich Probleme in der Partnerschaft einzugestehen. Und auch der Gang zu einer Paartherapie ist nicht unbedingt ein leichter.

Grundsätzlich solltest Du Deinen/Deine Partner:in darauf vorbereiten, bevor Du mit der Tür ins Haus fällst. Manche Menschen sind einer solchen Therapie gegenüber sehr offen, andere wiederum lassen sich davon erst mal abschrecken. Wichtig ist trotzdem, dass beide Partner:innen es versuchen wollen und nicht der eine den anderen dazu überreden muss.

Reden ist Trumpf

Häufig reden zwei Parteien aneinander vorbei, haben nur ihren Standpunkt im Blick oder vergessen auch hin und wieder Verständnis für die Situation des/der anderen aufzubringen. Dabei könnten damit viele Streitpunkte aus der Welt geschafft werden. Die eigene Sichtweise ist nicht immer die richtige und viel wichtiger noch, sie schließt nicht die des/der Partner:in mit ein. Reden ist eines der wichtigsten Instrumente, das einem Paar zur Verfügung steht. Wenn eine Beziehung auf Dauer funktionieren und Früchte tragen soll, dann ist es wichtig die eigenen Bedürfnisse zu äußern und auf die des/der Partner:in Rücksicht zu nehmen.

Egal ob Du Dich noch am Anfang einer Hassspirale aus sich immer häufiger auftretenden Missverständnissen und Streitthemen befindest oder nach einer Beziehung mit Deinem Hass zu kämpfen hast. Der Schlüssel ist reden. Die negativen Gefühle, Missverständnisse und Schuldzuweisungen können nur beseitigt werden, wenn sie geklärt werden. Für Dich als auch für Deinen/Deine Partner:in, wird es eine enorme Erleichterung sein, wenn Ihr über Eure Probleme redet und so dem Hass zuvorkommt.

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